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Mythos 1: "Das wächst sich schon aus."


Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Trotzdem gilt: nicht jede Sprachauffälligkeit verschwindet von selbst. Wenn dein Kind sehr wenig spricht, kaum neue Wörter dazulernt, schwer verständlich ist oder beim Verstehen von Sprache Probleme hat, ist eine frühzeitige Abklärung sinnvoll. Bei einer Früherkennung von sprachlichen Problemen, kann Sprachförderung spielerisch und alltagsnah erfolgen und spätere Schwierigkeiten können oft vermieden werden.

 

Mythos 2: "Logopädie ist erst ab 4 Jahren sinnvoll."

 

Es wird immer noch verbreitet, dass Logopädie erst ab dem 4 Lebensjahr möglich ist. Logopädie kann schon deutlich früher sinnvoll und hilfreich - manchmal sogar entscheidend sein. Sprache beginnt nicht mit den ersten Worten, sondern entwickelt sich schon lange davor. Blickkontakt, Gestik, Mimik, erste Laute, Silben, gemeinsame Aufmerksamkeit, Spielentwicklung, Körperwahrnehmung, Bewegungsentwicklung.... sind wichtige Parameter für die Sprachentwicklung. Wenn diese frühen Schritte auffällig sind, kann eine logopädische Begleitung bereits im Kleinkindalter unterstützen. Das Gehirn ist in den ersten Lebensjahren besonders lernfähig. Logopädische Therapie erfolgt über Spiel, Bewegung, Alltagssituationen und Beziehung - nicht über Übungen am Tisch. Wenn Kinder sich besser ausdrücken können, sinkt die Frustration. Das wirkt sich positiv auf das Verhalten, das Selbstvertrauen und den Familienalltag aus. Frühe Unterstützung kann helfen, Schwierigkeiten im Kindergarten oder in der Schule zu verhindern oder abzumildern. 

 

Mythos 3: "Mehrsprachigkeit überfordert Kinder und führt zu Sprachauffälligkeiten."

 

Dieser Mythos hält sich hartnäckig und verunsichert viele Eltern - ist aber nicht richtig. Kinder können problemlos zwei oder mehr Sprachen gleichzeitig lernen. Mehrsprachigkeit ist keine Überforderung, sondern eine wertvolle Ressource. Eine Sprachauffälligkeit zeigt sich in allen Sprachen, nicht nur in einer. Wenn das Kind in keiner Sprache gut verstanden wird, sehr wenig spricht und kaum neue Wörter dazulernt, ist eine logopädische Abklärung sinnvoll. 

 

Mythos 4: "Digitale Medien fördern die Sprache."

 

Kinder lernen Sprache nicht über Bildschirme, sondern über echte Beziehung. Sie lernen Sprache, wenn sie angesprochen werden und auf Gesprochenes reagieren,  Teil eines Dialoges sind, Blickkontakt haben, Rückmeldung bekommen, u.v.m. Ein Bildschirm kann nicht antworten, nicht auf Gesten eingehen und keine Beziehung aufbauen. Auch wenn Videos Wörter, Lieder oder Bilder zeigen, fehlen der gemeinsame Austausch, die Anpassung an das Kind und die Rückmeldung. Gerade Kinder unter 3 Jahren können Inhalte aus Videos kaum auf den Alltag übertagen. Sie brauchen echte Menschen, keine digitalen Medien für die Sprachentwicklung. Ein hoher Medienkonsum im frühen Kindesalter kann die Sprechfreude verringern, Wortschatzaufbau verlangsamen, Aufmerksamkeit und Interaktion erheblich beeinträchtigen. 

 

Mythos 5: "Sprachprobleme betreffen nur das Sprechen."

 

Wenn von Sprachproblemen die Rede ist, denken viele Eltern zuerst an eine undeutliche Aussprache oder daran, dass ein Kind "nicht richtig spricht". Jedoch ist Sprache viel mehr als gesprochene Worte. Zur Sprachentwicklung zählen unter anderem das Sprachverständnis (Was versteht mein Kind?), der Wortschatz (Welche und wie viele Wörter nutzt mein Kind?), Grammatik und Satzaufbau, Erzählen und Mitteilen, Laute und Aussprache, Beweglichkeit von Lippen, Zunge und Kiefer. Ein Kind kann in einem Bereich unauffällig sein und trotzdem in einem anderen Unterstützung brauchen. manche Kinder sprechen viel und deutlich, haben aber Probleme Anweisungen zu verstehen, Geschichten nachzuerzählen, passende Wörter zu finden oder Sätze sinnvoll aufzubauen. Diese Schwierigkeiten bleiben oft lange unbemerkt, weil das Kind "eh gut spricht". Sprachliche Schwierigkeiten können sich auch durch Frust oder Wutanfälle, Rückzug in Gruppensituationen, scheinbarer Unaufmerksamkeit oder schnellem Aufgeben in Spielsituationen zeigen. Wenn Sprache nicht gut entwickelt ist, beeinflusst das das Verhalten, das Lernen und die sozialen Kontakte.

 

Sie haben Fragen zur Sprachentwicklung Ihres Kindes? Ich berate Sie gerne persönlich. 
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